Mit einerWanderausstellung zeigt der ÖGB seine Solidarität mit Gewerkschafter:innen, diein Belarus verfolgt werden oder im Gefängnis sitzen. Sechs Roll-Ups erinnern anzehn Menschen, die sich für freie Wahlen und für die Rechte vonArbeitnehmer:innen eingesetzt haben und dafür seit Jahren in Haft sind.

Rund 50 Gäste,überwiegend Teilnehmer:innen der Gewerkschaftsschulen und derBetriebsratsakademie, besuchten die Ausstellungseröffnung. DieAusstellungseröffnung wurde sehr herzlich aufgenommen und im Anschluss gab eszahlreiche Fragen aus dem Publikum.

Eröffnet wurde„Inhaftierte Gewerkschafter:innen in Belarus“ am 5. Oktober 2026 imFritz-Matzner-Saal des ÖGB Steiermark in Graz. Vorgestellt hat sie IrynaPiarvoikina vom Internationalen Referat des ÖGB. Aus dem Exil in Bremen warenzwei Männer zugeschaltet, die selbst in belarussischen Gefängnissen gesessensind: Aliaksandr Yarashuk, Präsident des unabhängigen Gewerkschaftsbunds BKDP,und sein Stellvertreter Siarhei Antusevich.

Die beidenbegannen mit der Geschichte ihrer Bewegung. Unabhängige Branchengewerkschaftengibt es in Belarus seit den 1990er Jahren, 1993 wurde der BKDP gegründet. Schon2004 befasste sich eine Untersuchungskommission der InternationalenArbeitsorganisation (ILO) mit dem Land. Nach der umstrittenenPräsidentschaftswahl 2020 versuchten Beschäftigte in Staatsbetrieben wieBelaruskali und Grodno Azot zu streiken, der Staat antwortete mit Entlassungenund Strafverfahren. Im April 2022 wurde die Führung des BKDP festgenommen, imJuli löste der Oberste Gerichtshof den Bund auf. 2023 beschloss dieInternationale Arbeitskonferenz Maßnahmen gegen Belarus nach Artikel 33 derILO-Verfassung.

Am Ende sprachenYarashuk und Antusevich über ihre Haft. Yarashuk war im Dezember 2022 zu vierJahren verurteilt worden, Antusevich zu zwei. Sie erzählten von überfülltenZellen und von Folter. Ärztliche Hilfe bekamen sie keine, rechtlichen Beistandauch nicht. Antusevich kam im Oktober 2023 frei, musste sich danach regelmäßigbei der Polizei melden und verließ später das Land. Yarashuk wurde im September2025 entlassen und ohne Dokumente nach Litauen abgeschoben.

In Belarusbleiben noch 20 Gewerkschafter:innen in Haft. Manche wurden allein wegenStreiks und friedlicher Proteste zu bis zu vierzehn Jahren verurteilt. Der ÖGBhat für sie schon im Herbst 2022 beim Kongress des InternationalenGewerkschaftsbunds eine Solidaritätskampagne gestartet. Dass Druck von außenhilft, sagten auch die beiden Gäste: jeder Brief und jede Erklärung macheRepression politisch teurer und schütze die Gefangenen davor, unbemerkt zuverschwinden. Gewerkschaftsarbeit, so ihre Forderung, darf kein Verbrechensein.

Die Ausstellungist noch bis Ende Oktober im ÖGB-Gebäude in Graz zu sehen. Anschließend wirdsie in weiteren Bundesländern gezeigt, die entsprechenden Termine und Ortewerden rechtzeitig bekannt gegeben.

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