Wie können Beschäftigte die grüne und digitale Transformation aktiv mitgestalten? Diese Frage stand im Mittelpunkt der Treffen im Rahmen des ÖGB-EU-Projekts JustWork, die von 14. bis 16. Oktober in Belgrad und Despotovacin Serbien statt fanden. Gewerkschafter:innen und Betriebsrät:innen aus Österreich und Serbien tauschten sich über gemeinsame Herausforderungen in der Bau-, Baustoff-, Holzverarbeitungs- und Forstwirtschaft aus.
Der Austausch zwischen den beiden Ländern ist besonders wichtig, da zahlreiche serbische Arbeitnehmer:innen auf österreichischen Baustellenbeschäftigt sind und Unternehmen teilweise sowohl in Österreich als auch inSerbien tätig sind. Gute Arbeitsbedingungen, faire Löhne, Gesundheit undSicherheit am Arbeitsplatz sowie die Mitbestimmung der Beschäftigten sind daherThemen, die über Ländergrenzen hinausreichen. Ziel von JustWork ist es,Erfahrungen auszutauschen, von einander zu lernen und die Rolle der Gewerkschaften bei der sozial gerechten Gestaltung der grünen und digitalen Transformation zu stärken.
Arbeitsrecht und Kollektivverträge im Fokus
Bei einem Treffen mit Vertreter:innen der Branchengewerkschaften von CATUS in Belgrad standen die Arbeitsbedingungen, Kollektivvertragsverhandlungen sowieGesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz im Mittelpunkt.
Eine zentrale Herausforderung in Serbien ist die Überarbeitung desbestehenden Arbeitsgesetzes, das aus Sicht der Gewerkschaften an die aktuellenAnforderungen der Arbeitswelt angepasst werden muss. Auch dieKollektivvertragspolitik wurde intensiv diskutiert: Nachdem der letzteentsprechende Branchenkollektivvertrag 2011 abgeschlossen wurde, setzen sichdie Gewerkschaften für einen neuen Vertrag ein, um die Rechte der Beschäftigtenund faire Arbeitsbedingungen langfristig zu sichern.
Klimawandel und sichere Arbeitsplätze in derForstwirtschaft
In Despotovac tauschten sich die Teilnehmer:innen in den Räumlichkeiten derJužni Kučaj SG, einer Niederlassung des staatlichen Forstunternehmens inSerbien, über die Herausforderungen der Holzverarbeitungs- und Forstwirtschaftaus.
Im Mittelpunkt standen die Auswirkungen der Klimakrise auf die Wälder unddie Folgen für die Beschäftigten. Steigende Temperaturen, längereTrockenperioden und zunehmende Extremwetterereignisse verändern dieAnforderungen an die Waldbewirtschaftung und stellen neue Herausforderungen fürGesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz dar. Ausbildung und Weiterbildunggewinnen dadurch ebenso an Bedeutung wie die Einbindung der Beschäftigten inbetriebliche Entscheidungen.
Gemeinsam für eine sozial gerechte Transformation
Die Gewerkschafter:innen und Betriebsrät:innen aus Österreich und Serbienwaren sich einig: Die grüne und digitale Transformation muss gemeinsam mit denBeschäftigten und ihren Interessenvertretungen gestaltet werden. Sie verändertArbeitsplätze, Qualifikationsanforderungen und Arbeitsbedingungen und darfdaher nicht allein als technische oder ökologische Herausforderung betrachtetwerden.
Starke Kollektivverträge, ein zeitgemäßes Arbeitsrecht, sichereArbeitsplätze und zugängliche Weiterbildungsangebote sind wesentlicheVoraussetzungen für einen sozial gerechten Wandel. Der Austausch im Rahmen vonJustWork stärkte die grenzüberschreitende Zusammenarbeit und unterstrich, wiewichtig es ist, voneinander zu lernen und gemeinsam für faireArbeitsbedingungen und mehr Mitbestimmung einzutreten.



