GB-Globaler Rechtsindex 2026
- Die Vereinigten Staaten wurden auf die Watchlist gesetzt.
- Frankreich wurde von Bewertung 2 auf 3 herabgestuft.
- Argentinien und Panama stehen erstmals auf der Liste der zehn schlimmsten Länder.
- Europa und die Amerikas verzeichnen ihre schlechtesten Durchschnittsbewertungen seit Einführung des Index im Jahr 2014.
- In der Hälfte aller Länder werden Arbeitnehmer:innen verhaftet oder festgehalten, weil sie ihre Gewerkschaftsrechte ausüben; weltweit nimmt Gewalt stark zu.
Die Rechte von Arbeitnehmer:innen verschlechtern sich weltweit. Führende Demokratien treiben mittlerweile eine sich vertiefende globale Krise voran, so der IGB-Globale Rechtsindex 2026. Europa und die Amerikas haben jeweils ihre schlechtesten durchschnittlichen Länderbewertungen seit Einführung des Index im Jahr 2014 erreicht – ein Zeichen dafür, dass die Krise systemisch geworden ist.
Länder wie die Vereinigten Staaten und Frankreich, die einst als stabil galten, tragen nun zu einem weltweiten Anstieg von Repression bei. Das macht einen systemischen Angriff auf Demokratie und Arbeitnehmer:innenrechte sichtbar. Argentinien zählt inzwischen zu den schlimmsten Ländern der Welt für arbeitende Menschen, nachdem sich seine Bewertung innerhalb von nur zwei Jahren dramatisch von 3 auf 5 verschlechtert hat – einer der stärksten Abstürze, die je verzeichnet wurden.
Ein Rekordwert von 72 Prozent der Länder verweigert Arbeitnehmer:innen den Zugang zur Justiz, während in der Hälfte der Länder Arbeitnehmer:innen verhaftet oder festgehalten wurden. Gewalt gegen Arbeitnehmer:innen nimmt zu: 2026 wurde ein Anstieg der Angriffe um 6 Prozent dokumentiert. Angriffe auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit sind um 5 Prozent gestiegen und werden nun in 50 Prozent der Länder gemeldet – ebenfalls ein Rekordwert. Verstöße gegen bürgerliche Freiheiten haben um 3 Prozent zugenommen; Gewerkschaftsführer:innen werden zunehmend durch Verhaftungen, Verfolgung und in einigen Ländern auch durch Tötungen ins Visier genommen.
Drei strukturelle Trends prägen die globale Krise:
- prominente Gewerkschaftsführer:innen werden durch Verhaftungen, Gewalt und Kriminalisierung gezielt angegriffen;
- digitale Überwachung wird eingesetzt, um Arbeitnehmer:innen und gewerkschaftliche Organisierung zu überwachen, zu disziplinieren und zum Schweigen zu bringen;
- Regierungen drängen Gewerkschaften an den Rand und konsultieren sie seltener, bevor Arbeitsgesetze eingeführt oder geändert werden.
Zentrale Ergebnisse
Die Vereinigten Staaten wurden aufgrund zunehmender Besorgnis über Einschränkungen von Kollektivverhandlungen und den Einsatz von Gewalt gegen Arbeitnehmer:innen auf die Watchlist gesetzt.
Frankreichs Bewertung hat sich von 2 auf 3 verschlechtert – der schlechteste Wert des Landes bisher. Dies spiegelt einen anhaltenden Rückgang der Arbeitnehmer:innenrechte wider, darunter Repression gegen Gewerkschafter:innen und Einschränkungen von Protesten.
Argentiniens Bewertung ist innerhalb von nur zwei Jahren von 3 auf 5 abgestürzt – einer der stärksten Rückgänge, die je verzeichnet wurden.
Drei von vier Ländern verweigern Arbeitnehmer:innen das Recht, sich zu organisieren. Zu den Einschränkungen zählen Union Busting und Eingriffe in Gewerkschaften, etwa in Estland, den Niederlanden, Polen, Serbien und Spanien.
In 50 Prozent der Länder wurden Arbeitnehmer:innen verhaftet oder festgehalten, unter anderem in der Demokratischen Republik Kongo, im Irak, in Indonesien und in Albanien.
Gewalttätige Angriffe auf Arbeitnehmer:innen nahmen um 6 Prozent zu, unter anderem in Indien, Palästina, der Ukraine und Südafrika. In 32 Prozent der Länder waren Arbeitnehmer:innen Gewalt ausgesetzt, gegenüber 26 Prozent im Jahr 2025. Israelische Kräfte durchsuchten die Büros des Palästinensischen Allgemeinen Gewerkschaftsbundes in Nablus. Der Aufstieg der extremen Rechten in Europa schlägt sich zunehmend in Feindseligkeit gegenüber Gewerkschaften und ihren Mitgliedern nieder.
Die zehn schlimmsten Länder für Arbeitnehmer:innen im Jahr 2026 sind: Argentinien, Belarus, Ecuador, Ägypten, Eswatini, Myanmar, Nigeria, Panama, Tunesien und die Türkei. Argentinien und Panama sind neu auf dieser Liste.
Drei Länder verbesserten ihre Bewertung: Botswana und das Vereinigte Königreich von 4 auf 3 sowie Uruguay von 2 auf 1.
„Der Globale Rechtsindex 2026 zeigt, dass die Krise der Arbeitnehmer:innenrechte nicht länger auf Randbereiche beschränkt ist – sie steht nun im Zentrum der Demokratien. Regierungen versagen beim Schutz arbeitender Menschen und untergraben sie in vielen Fällen aktiv.“
Luc Triangle, Generalsekretär des IGB
„Dies ist das Ergebnis eines koordinierten Angriffs auf die Demokratie – eines Milliardärsputsches, unterstützt von politischen Führungskräften, der Rechte abbaut, Arbeitnehmer:innen zum Schweigen bringt und Volkswirtschaften zugunsten einiger weniger Mächtiger manipuliert.
Doch Arbeitnehmer:innen und ihre Gewerkschaften wehren sich. Der Kampf für Arbeitnehmer:innenrechte ist der Kampf für die Demokratie selbst – für unsere Rechte, unsere Sicherheit und unsere Lebensgrundlagen. Ohne starke Gewerkschaften kann es keine echte Demokratie geben.“
Die Vereinigten Staaten werden derzeit mit 4 – systematische Rechtsverletzungen bewertet.
Der IGB-Globale Rechtsindex ist die weltweit einzige umfassende Datenbank zu Arbeitnehmer:innenrechten. Er bewertet 151 Länder anhand von 97 Indikatoren, die aus ILO-Übereinkommen und der Rechtsprechung abgeleitet sind. Dies ist die 13. Ausgabe des Index.
Bewertungssystem des IGB-Globalen Rechtsindex
5+ Keine Garantie von Rechten aufgrund des Zusammenbruchs der Rechtsstaatlichkeit
5 Keine Garantie von Rechten
4 Systematische Rechtsverletzungen
3 Regelmäßige Rechtsverletzungen
2 Wiederholte Rechtsverletzungen
1 Sporadische Rechtsverletzungen
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