Wer gestaltet die Zukunft der Arbeit auf dem Balkan?
Mit dieser Frage beschäftigt sich die Konferenz „Work, Migration and Technology: Who Shapes the Future of Work in the Balkans?“ die am 22. und 23. Oktober 2026 in Sarajevo stattfindet, organisiert vom Internationalen Referat des ÖGB in Zusammenarbeit mit der Friedrich-Ebert-Stiftung.
Dass sich die Arbeitswelt in rasantem Tempo verändert, haben wir schon oft gehört. Ebenso, dass viele Menschen Südosteuropa auf der Suche nach besseren Arbeits- und Lebensbedingungen in Richtung Norden verlassen und dadurch der Arbeitskräftemangel in ihren Herkunftsländern zunimmt. Gleichzeitig kommen neue Arbeitskräfte aus anderen Regionen hinzu, während Automatisierung und künstliche Intelligenz die Arbeitswelt weiter verändern. Doch wer bestimmt mit, wie diese Veränderungen gestaltet werden und wie können Arbeitnehmer:innen und Gewerkschaften dabei ihre Interessen einbringen?
Im Mittelpunkt der Konferenz steht die Frage, wie technologische und demographische Veränderungen ineinandergreifen. Führt der Arbeitskräftemangel zu verstärkter Automatisierung oder zu einer steigenden Nachfrage nach Arbeitsmigrant:innen? Welche neuen Abhängigkeiten entstehen, wenn Menschen über digitale Plattformen und ortsunabhängig für Unternehmen in anderen Ländern arbeiten? Und wie können Gewerkschaften dafür sorgen, dass technischer Fortschritt nicht auf Kosten der Beschäftigten geht?
Bei der Konferenz sollen alle relevanten Akteur:innen zusammenkommen und diese Fragen diskutieren: Gewerkschafter:innen aus der Region, Forschende, Vertreter:innen internationaler Organisationen, aber auch Unternehmer:innen und Technologiezentren. Eröffnet wird die Konferenz unter anderem von Samir Kurtović, Präsident des Bundes unabhängiger Gewerkschaften Bosnien und Herzegowinas (SSSBiH). Weitere Teilnehmende sind beispielsweise Amar Numanović von der International Labour Organisation (ILO), Ratka Babić vom Regional Cooperation Council (RCC) und Faris Godinjak, Leiter der Abteilung für Außenhandelspolitik, Kontrolle und Schutzmaßnahmen im Ministerium für Außenhandel und Wirtschaftsbeziehungen Bosnien und Herzegowinas.
Innovation zum Angreifen
Ebenfalls Teil der Konferenz ist ein „Research & Innovation“-Basar in Zusammenarbeit mit dem Europäischen Innovations- und Technologieinstitut (EIT), bei dem verschiedenen regionalen Start-ups ihre Arbeit präsentieren. Das offene Format soll zeigen, welche Innovationen in Bosnien und Herzegowina entstehen, und gleichzeitig einen kritischen Austausch mit gewerkschaftlichen Vertreter:innen ermöglichen. Wer profitiert von neuen Technologien? Wie werden die Perspektiven der Beschäftigten berücksichtigt?
Auf einer breiteren Ebene wird auch die europäische Dimension eine Rolle spielen: Mirna Jusić, die im Bereich Public and Social Policy an der Karls-Universität Prag lehrt und forscht, widmet sich der Frage, wie Alterung, Arbeitskräftemangel, Migration und technologischer Wandel das europäische Modell verändern.
Bernd-Christoph Ströhm vom Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) untersucht, was geschieht, wenn Maschinen immer mehr menschliche Tätigkeiten übernehmen können, die nahezu ohne menschliche Arbeitskräfte auskommen. Als Experte für Südosteuropa, Industriepolitik und geopolitische Entwicklungen ordnet er diese Veränderungen in einen größeren Zusammenhang ein und beleuchtet die Auswirkungen von Chinas technologischen und industriellen Strategien auf Europa. Dabei geht es auch um die Frage, wie geopolitischer Wettbewerb, EU-Erweiterung und ausländische Investitionen die Entwicklung des Westbalkans beeinflussen.
Die Transformation unserer Arbeitswelt darf nicht ohne die Mitsprache von Arbeiter:innen passieren. Gewerkschaften müssen den technologischen und demographischen Wandel nicht nur verstehen, sondern auf ihn reagieren können. Die Konferenz soll dazu beitragen, Wissen zu vermitteln und konkrete Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen.
Die Konferenz findet am 22. und 23. Oktober 2026 in Sarajevo statt. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung ist erforderlich.
Mehr Infos: https://www.stayandshape.com
Informationen und Anmeldung: https://futureofwork.fes.de/news/work-migration-and-technology-who-shapes-the-future-of-work-in-balkans.html




