Der 21. September ist internationaler Tag des Friedens. Wie tragen wir zu einer gerechten und friedvollen Gesellschaft bei?

Die aktuelle weltpolitische Lage steht auf der Liste der Sorgen junger Menschen in Österreich ganz oben. Dabei sind laut der Jugendforscherin der Uni Graz Natalia Wächter multiple Ängste präsent: Die Angst vor den Auswirkungen der Klimakrise, existentielle Ängste – beispielsweise unleistbarer Wohnraum und Armut – sowie die Angst vor Krieg prägen den Alltag vieler junger Menschen (Alumni Community Uni Graz).  

Bei Befragungen der alljährlichen Ö3 Public-Value-Studie berichten 80 % der 16- bis 25-Jährigen, dass ihnen die laufenden Kriege Angst machen. Darüber hinaus spricht sich die Mehrzahl (58 %) gegen Aufrüstung aus – sie möchten das dafür zur Verfügung stehende Geld lieber in andere, bislang vernachlässigte Bereiche, investieren (laut Ö3-Jugendstudie 2025). Würde man die Jugendlichen jedoch fragen, ob sie eine solche politische Schwerpunktverlagerung seitens der Regierung für realistisch hielten, würde die Mehrheit dies vermutlich verneinen. Denn das Vertrauen junger Menschen in das politische System ist gering: Nur 41 % vertrauen dem Parlament, 37 % der Bundesregierung. Nur 32 % sehen sich im Parlament gut vertreten, und lediglich die Hälfte glaubt, durch politische Beteiligung etwas bewirken zu können. Die Polizei und Kommunalpolitik hingegen genießen höheres Vertrauen (Foresight 2025).

Wer ist die „Generation Z“ – alte Klischees im neuen Gewand?

Junge Menschen fühlen sich heutzutage häufig nicht ausreichend verstanden. Verstärkt wird dieses Gefühl durch verbreitete Klischees über ihre Generation, die sie beispielsweise als „arbeitscheu“, „egoistisch“ oder „psychisch instabil“ darstellen. Kein Wunder, dass das Vertrauen in die Nationalpolitik schwindet, wenn man sich in der zugeschriebenen Identität nicht wiederfinden kann und der Leistungsdruck aus Angst, keinen guten Job zu bekommen, allgegenwertig ist (Alumni Community Uni Graz). In einem sticht die Generation Z jedenfalls hervor: Politische Themen sind im Alltag junger Menschen präsenter als noch vor dem Jahr 2020 und nahezu alle 16- bis 26-Jährige informieren sich zumindest gelegentlich über politische Themen (Foresight 2025).

Soziale Ungleichheit und politische Teilhabe

Wie jede gesellschaftliche Gruppe ist die sogenannte Generation Z keine homogene. Zurückzukommen auf die eben genannte Studie, wird bei den Befragten sichtbar, welche Rolle soziale Ungleichheit spielt: Denn die Bewertung des politischen Systems hängt stark von der sozialen Lage ab. 49 % der finanziell gut abgesicherten jungen Menschen finden, dass das politische System gut funktioniert, gegenüber nur 32 % jener mit knappen finanziellen Ressourcen. Auch junge Menschen mit Universitätsabschluss bewerten es positiver (54 % gegenüber rund 40 %). 16- bis 26-Jährige mit Migrationshintergrund und ausländischen Staatsbürgerschaften geben häufiger keine Bewertung ab (jeweils rund jede:r Zehnte) (Foresight 2025).

Diese Unterschiede bilden sich auch in der Demokratiebeteiligung ab: Jugendliche mit einem einkommensschwachen Hintergrund, nehmen deutlich seltener an Wahlen, Demonstrationen und politischer Interessenvertretung teil.

Fehlende Repräsentation und geringes Vertrauen können das Gefühl verstärken, politisch nichts bewirken zu können. Forschungen zeigen, dass ein sinkendes Vertrauen in politische und gesellschaftliche Institutionen häufig mit einer geringeren politischen Beteiligungsbereitschaft sowie einer verminderten politischen Selbstwirksamkeit einhergeht (Traber et al. 2021; Torcal & Christmann 2021).

Eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung politischer Selbstwirksamkeit ist das Bewusstsein für die eigene Rolle und die eigenen Handlungsmöglichkeiten innerhalb einer Demokratie. Laut einer Studie aus 2024 fühlen sich ein erheblicher Anteil der Jugendlichen in Österreich durch die Schule nur unzureichend auf ihre politische Rolle in der Gesellschaft vorbereitet. Rund die Hälfte der Befragten berichtet, zu wenig über Möglichkeiten politischer Beteiligung zu wissen und 58 % der Jugendlichen geben an, zu wenig über das Führen politischer Diskussionen gelernt zu haben (Zandonella und Bohrn 2024). Auch hier geben besonders junge Menschen mit geringen sozioökonomischen Ressourcen an, im Rahmen der schulischen politischen Bildung unzureichend über ihre Rechte als Bürger:innen informiert worden zu sein (Ehs und Zandonella 2021).

Der Wunsch nach Frieden muss ein internationaler sein

In einer Zeit, in der soziale Kämpfe zunehmend als individuelle Kämpfe gegen ursprünglich strukturelle und kapitalistische Probleme geführt werden, sollte darüber diskutiert werden, welche Art von Frieden wir uns wünschen. Den eigenen Frieden erreicht man höchstens aus einer privilegierten Position heraus, materialistisch betrachtet. Wobei auch das zu bezweifeln ist, denn das gute Leben für einen selbst ist eng mit den Rechten und guten Lebensbedingungen anderer verknüpft. Auf die Sorge vor Krieg wünschen sich Österreichs Jugendliche Abrüstung und Neutralität – als friedvolle Lösung. Doch Frieden heißt mehr als die Abwesenheit von Krieg – es geht um die Sicherung der Lebensgrundlagen junger Menschen. Frieden – als Zustand einer freien und gerechten Gesellschaft – beinhaltet Gleichberechtigung, Partizipation und soziale Teilhabe und faire, sichere Arbeitsbedingungen und -chancen. Der UN-Sicherheitsrat mit der Resolution zu Jugend, Frieden und Sicherheit (YPS) hat bereits 2015 festgesetzt: Junge Menschen sollen aktiv in Friedensprozesse eingebunden werden. Auch Österreich ist rechtlich verpflichtet, das umzusetzen – doch bisher fehlen konkrete Maßnahmen (BJV 2025).  

Der Verein Solidar Austria und das Projekt „Globale Held:innen für Frieden & Demokratie”

Wie das eigene Leben mit dem von Menschen anderswo zusammenhängt, lässt sich abstrakt schwer vermitteln. Leichter geht es über konkrete Geschichten. Diesen Weg wählt Solidar Austria, der entwicklungspolitische Verein der österreichischen Gewerkschaftsbewegung. Seit drei Jahrzehnten setzt er sich dafür ein, das Bewusstsein für globale Zusammenhänge zu stärken und diese für die Menschen in Österreich verständlich zu machen. Im Zentrum steht dabei die Frage: Wie sind lokale Herausforderungen mit globalen Gegebenheiten verknüpft und wie erreichen wir ein „gutes Leben für alle“?

Hier setzt das derzeitige Bildungsprojekt „Globale Held:innen für Frieden & Demokratie“ an: Anhand von drei jungen Gewerkschafter:innen aus dem Globalen Süden werden lokalspezifische Herausforderungen und Lösungsansätze österreichischen Berufsschüler:innen aufgezeigt. Vice versa können Gemeinsamkeiten in der Betroffenheit von internationalen Herausforderungen, wie beispielsweise den Folgen der Klimakrise oder der Preissteigerungen aufgrund der aktuellen Kriege, und eigene Handlungsmöglichkeiten herausgestellt werden.  

Das Projekt setzt sich zum Ziel, der Hoffnungslosigkeit der Jugendlichen entgegenzuwirken und konkrete Handlungspotentiale, beispielsweise im persönlichen oder arbeitsbezogenen Kontext, in den Vordergrund zu stellen. Junge Menschen sollen Vertrauen gewinnen, dass jede/r entscheidend dazu beitragen kann, die Demokratie zu stärken und sozialen Frieden zu sichern. Vor allem dann, wenn die politischen Entscheidungsträger:innen so weit entfernt scheinen und die eigenen Interessen und Wünsche auf der politischen Agenda nicht ernst genommen werden.  

Der internationale Austausch von Erfolgsgeschichten im Kampf gegen sozioökologische Ungerechtigkeiten im Arbeitsbereich hat das Potential, globale Zusammenhänge zu vermitteln und gleichzeitig neue Motivation an anderen Orten zu stärken. Dieses Bildungsprojekt legt das Fundament der internationalen Solidarität: Denn nichts zeigt deutlicher als die aktuelle Lage, dass ein gutes Leben für alle – gezeichnet durch beispielsweise faire Arbeitsbedingungen und -chancen – unweigerlich mit dem Kampf für internationalen Frieden und Demokratie einhergeht.

Ursprünglich erschienen im: https://solidar.global/2026/09/21/junge-menschen-fuer-frieden-und-demokratie-zwischen-hoffnungslosigkeit-sozialer-ungleichheit-und-politischer-teilhabe/

Quellen:

BJV (2025). Aufwachsen in Frieden und Sicherheit. https://bjv.at/portfolio-items/aufwachsen-in-frieden-und-sicherheit/ letzter Zugriff 27.08.2026

Ehs, Tamara / Zandonella, Martina (2021): Demokratie der Reichen? Soziale und politische Ungleichheit in Wien. Wirtschaft und Gesellschaft, 47. Jahrgang, Heft 1, S. 86.

Traber, Denise / Hänni, Miriam / Giger, Nathalie / Breunig, Christian (2021): Social status, political priorities and unequal representation. In: European Journal of Political Research 61(2), 351-373.  

Torcal, Mariano / Christmann, Pablo (2021): Responsiveness, performance, and corruption. Reasons for the decline of political trust. In: Frontiers in Political Science 3, 676672.

Ö3 Hitradio (2025). Public value Studie: Wie willst du leben? Ergebnisse der Ö3-Jugendstudie 25. ORF, Wien.  

Foresight (2025): Junge Menschen & Demokratie 2025. FORESIGHT Research Hofinger GmbH

Alumni Community Uni Graz. Generation im Wandel: Was Jugendliche wirklich bewegt – Expertenanalyse von Natalia Wächter. https://www.youtube.com/watch?v=hfzudVX6gmM  letzter Zugriff 20.09.2026

Zandonella, Martina und Bohrn (2024): AK Jugendmonitor 2024. Untersuchung der Lebenslagen junger Menschen in Österreich mit den Schwerpunkten Teuerung und Mitbestimmung. AK Wien, Wien, S. 19.